Der Rücktritt eines Staatsoberhauptes erfolgt nie ohne Grund und ist immer ein Zeichen für grosse Veränderungen.

Am 5. September wird nun nach dem Rücktritt von Boris Johnson der neue Premierminister Grossbritanniens offiziell ernannt.

Doch wie kam es überhaupt zum Rücktritt des derzeitigen Staatsoberhauptes und wer könnte sein Nachfolger werden?

Warum ist Boris Johnson zurückgetreten?

Der Rücktritt von Boris Johnson wurde durch enormen politischen Druck ausgelöst. Vor der Ankündigung seines Rücktritts waren bereits über 50 andere Regierungsmitglieder aus Protest gegen Johnson zurückgetreten. Darunter waren viele wichtige Minister, wie zum Beispiel die Bildungsministerin Michelle Donelan.

Auslöser für diesen Protest war der jüngste Skandal um den noch amtierenden Premierminister. Boris Johnson hat seinem Parteikollegen Chris Pincher ein wichtiges Amt übertragen. Nun sind jedoch Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Pincher ans Licht gekommen. Zum Zeitpunkt der Beförderung soll der Premierminister bereits von diesen Vorwürfen gewusst haben.

Neben den anderen bekannten Eskapaden von Boris Johnson, wie z.B. den verschiedenen Lockdown-Partys, war dies der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Wer könnte der neue Premierminister Grossbritanniens werden?

Das Rennen um das Amt des nächsten Premierministers des Vereinigten Königreichs hat sich auf zwei Kandidaten reduziert: Liz Truss und Rishi Sunak.

Rishi Sunak, ein ehemaliger Finanzminister, ist in der Tory-Partei ein bekannter Name. Er war auch einer der Minister, die aus Protest gegen Johnson zurückgetreten sind. Es gab jedoch auch Vorwürfe gegen den ehemaligen Finanzminister, er habe sich im Amt bereichert und verschiedene Steuerhinterziehungen vorgenommen.

Liz Truss, die britische Aussenministerin, geniesst dagegen beträchtlichen Rückhalt in der konservativen Partei und hat in Umfragen besser abgeschnitten als Sunak.

Ein Grund dafür könnte sein, dass Truss selbst versucht, sich als eine moderne Maragret Thatcher darzustellen. Ein weiterer Grund für die Unterstützung könnte jedoch ihr Versprechen sein, im Falle ihrer Wahl sofortige Steuersenkungen vorzunehmen.

Sunak und Truss konkurrieren um die Stimmen von etwa 200.000 Mitgliedern der Konservativen, die den nächsten Premierminister wählen werden; der Gewinner wird am 5. September bekannt gegeben.

Das Thema Steuern hat den Wahlkampf bisher dominiert. Sunak hat Truss vorgeworfen, die Wähler mit ihrem Versprechen sofortiger Steuersenkungen «unehrlich» zu machen, und sagte, er würde mit Steuersenkungen warten, bis die Inflation unter Kontrolle ist. Truss sagt, dies würde das Land in eine Rezession stürzen.

Über 60 % der Konservativen in der Techne-Umfrage sagten, Truss habe bessere Ideen zu Steuern und Inflation als Sunak. Sie sprachen sich auch für ihre Einwanderungspläne aus.

Allerdings sagten die Befragten, Sunak habe die besseren Konzepte für den Brexit und die Energiepolitik.

Die YouGov-Umfrage ergab, dass eine Mehrheit Truss bei den Lebenshaltungskosten, der Einwanderung und der Verteidigung unterstützte.

Es bleibt abzuwarten, wer gewinnt und was dies für die britische Bevölkerung und die britische Wirtschaft bedeuten wird.